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Neues Gütesiegel «Gewässerperle PLUS»

![[Graubünden:] Kurzferien am Hinterrhein](/assets/cache/1920/1080/media/Artikel/2026/05/hinterrhein/0H8A9781.jpg)
| 15 | 05 | 2026 | Schweiz | |
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Das Bündner Dorf Andeer liegt mitten in einer der interessantesten alpinen Fischereiregionen der Schweiz. «Petri-Heil» hat im Sommer den dortigen Fliessgewässern und dem Bergsee Lai Grand einen Besuch abgestattet.
Vor dem Dorfcafé in Andeer empfängt uns bei bündnerischem Prachtswetter Lars Dünner, Vorstandsmitglied des örtlichen Fischereivereins. Bei einem Kaffee kurz vor Mittag erklärt er uns, welchen Bach wir besuchen können, um den Forellen mit der Trockenfliege nachzustellen. Wenn «Petri-Heil» anklopft, sind die Einheimischen meist etwas zurückhaltend, denn alpine Fliessgewässerreportagen in unserem Magazin können nun mal einen Einfluss auf die Zahl der Gastfischer haben.
Wie überall in der Schweiz sind die wilden Fischbestände fragil und der Fischereidruck ist nicht unerheblich. Zu unserem Glück finden aber gleich oberhalb von Andeer zwei weitläufige Bäche zusammen: der Hinterrhein und der Averser Rhein. Zählt man die fischbaren Kilometer, sind dies schnell mal 50 an der Zahl, die Nebenläufe nicht eingerechnet. Hier hat es also offenbar Platz für den einen oder anderen fischenden Touristen.
Mit dem Auto sind wir unterwegs Richtung Süden und finden bei Ferrera eine bemerkenswerte Szenerie vor. Unmittelbar an der Strasse reiht sich auf einem Streifen ebenen Geländes ein Campingbus an den anderen. Hier ist der «Magic Wood», ein Treffpunkt für Boulder-Kletterer aus ganz Europa, die ihre Sturzmatten unterhalb eines Felsen auflegen, um diesen ungesichert zu erklimmen. Vom Zusammenfluss zieht sich das Tal viele Kilometer nach Süden hinauf, wo der «Ragn de Ferrera», wie der von Osten her kommende Averser Rhein auch genannt wird, bei Cröt den Madriser Rhein aufnimmt. Auf der ganzen Strecke sieht der Averser Rhein, übrigens genau wie sein von Westen herkommendes Pendant, der Hinterrhein, verlockend aus. Die Stellenwahl ist wie immer beim Bergbachfischen stark von der eigenen Kondition und den Bedingungen abhängig. Auf der Strecke gibt es Abschnitte in allen Schwierigkeitsstufen. Was auch zu beachten ist: Je mehr Wasser der Bach führt, desto weiter hinauf muss man ausweichen. Wichtig ist auch die zweite Regel, die in der Schweiz fast immer gilt: Je zugänglicher der Ort, desto höher ist der Fischereidruck.
An unserer Einstiegsstelle angekommen empfängt uns kristallklares Wasser, und noch während des Montierens der Rute sehe ich die erste Forelle steigen, keine sechs Meter von mir entfernt. Durch die Polbrille hindurch kann ich gleich ein paar Fische ausmachen, zumeist kleinere Exemplare knapp unter 20 Zentimeter Länge. Lars Dünner hat uns beim Gespräch bereits darauf eingestimmt: Es sei mit vielen kleinen Fischen zu rechnen, die Grösseren gibt es zwar auch, doch erstens sind sie schwierig zu fangen und zweitens nicht allzu häufig.
Die Fischdichte in den ersten paar Gumpen überrascht uns dann doch. Nach kaum hundert Metern sehen wir einen weitläufigen Pool mit einem grossen Flachwasserbereich und natürlich geht es nicht lange, bis auch wir von den Forellen erspäht werden. Im Schnellzugstempo preschen sie ins Tiefe, wo sofort grosse Aufregung herrscht. Einzig am gegenüberliegenden Ende des Pools hat eine Forelle die Aufregung ihrer Kollegen nicht mitgekriegt und sucht gebannt die Oberfläche nach Nahrung ab. Nach dem zweiten Wurf und akrobatischer Gegenwehr liegt die knapp untermassige Schönheit im Feumer und darf umgehend wieder zurück. In den folgenden Pools, die sich im stark strukturierten Bach aneinanderreihen, ist es eine Frage des Gesehenwerdens. Wo es gelingt, dem Fisch die Fliege zu präsentieren, bevor man selbst gesehen wird, fängt man ihn für gewöhnlich auch – ansonsten heisst es weiterklettern zur nächsten Chance.
Wir sind umgeben von steilen Felsflanken, es weht ein warmer, kräftiger Wind, der die Bäume wogen lässt, man sieht Eidechsen über die sauberen Steine huschen. Über uns kreisen Vögel, ziehen harmlose Quellwolken schnell vorbei und über allem liegt das dichte Rauschen des kühlen Rheins. Es ist eine wahrhaft herrliche Welt, in der wir uns bewegen dürfen, sie ist aber nicht ungefährlich, wie frisch hinuntergestürzte Steinbrocken im Bachbett zeigen. Hier gehen wir zügig weiter und gut hundert Meter weiter oben lässt es sich wieder entspannt fischen. Ein grosser Felsen gewinnt meine Aufmerksamkeit; von oben her setze ich meine Fliege auf eine Kreisströmung mit kleiner Schaumkrone, welche fast augenblicklich von einem Fischkopf durchbrochen wird.
Nach kurzem Kampf hebe ich eine 33 Zentimeter lange Schönheit aus dem Feumer – ein richtig guter Fisch für diesen Abschnitt. Wir ziehen weiter, bis wir bei einem Wasserfall mit grossem Becken anstehen. Hier ist nach einer Fotosession für das Cover unseres Buchs «Fischen in der Schweiz 2026» Endstation für heute. Glücklich machen wir uns auf den Rückweg.
Zurück im hochsommerlichen Andeer beziehen wir unsere Zimmer im neugestalteten Hotel Pitschonia. Es ist ein stilvoll ausgebautes Self Check-in Hotel mitten im Dorf. Das Haus wurde aussen sanft renoviert und fügt sich bestens in die kleine Strasse ein.
Ein Hotelrestaurant gibt es hier nicht, doch jedes Zimmer hat eine kleine Küche mit dem Nötigsten, inklusive Kühlschrank und Kaffeemaschine. Am Abend kehren wir deshalb zusammen mit dem frischgebackenen Hoteldirektor Markus Mehr bei der Konkurrenz im Hotel Post ein. Hier erwartet uns ein prächtiges Nachtessen begleitet von heiteren Gesprächen, und bald schon ist es höchste Zeit um müde und erschöpft in unsere Betten zu fallen. Schliesslich haben wir uns für den nächsten Tag erneut viel vorgenommen. Ziel ist der Lai Grand auf 2386 Meter über Meer. Lars Dünner hat uns diesen See empfohlen, da er nicht so stark befischt ist wie die knapp ein Dutzend anderen Seen in der Umgebung.
Kurz nach fünf Uhr sind wir im Auto und fahren im Morgengrauen die endlose Alpstrasse bei Wergenstein hoch. Gut 45 Minuten später und 1500 Höhenmeter höher parkieren wir und haben noch eine gute Stunde Marsch vor uns. Kurz nach dem Sonnenaufgang sind wir am spiegelglatten Bergsee angekommen, in welchem vereinzelte Ringe die Fische verraten. Doch je länger ich mein Glück versuche, desto spärlicher werden die Ringe. Wahrscheinlich ist es selbst morgens um Viertel vor sieben zu spät für die Forellen und Namays des Lai Grand. So bleibt uns nichts anderes übrig, als mit einer Petflaschen-Reuse gefangene Elritzen am System anzubieten und dabei auf den Lucky Punch zu hoffen und ansonsten die gewaltige Bergwelt auf uns einwirken zu lassen. Man hört die Murmeltiere pfeifen, ab und zu kollern Steine in einer Geröllhalde, der Himmel ist weit und die Bergreihen verschwinden im fernen Dunst der Augustluft. Bald kommt uns eine Rinderherde besuchen, welche den Bergsee als Tränke benutzt.
Wir kehren ins Tal zurück und besuchen am Nachmittag noch ein letztes Mal den Rhein, diesmal gleich in Andeer. Es herrscht drückende Hitze und an ein erfolgreiches Fischen will ich hier nicht recht glauben. Kurz bevor wir aufbrechen müssen, kann ich in einem langgezogenen Pool einen Schlupf beobachten. Die zahlreichen Ringe in diesem flachen Abschnitt sind ein weiterer guter Grund, die Gewässer rund um Andeer baldmöglichst wieder zu besuchen.
Der umtriebige Markus Mehr hat zusammen mit seiner Partnerin Ursi Ruoss mitten in Andeer ein Hotel-Bijou geschaffen. Alle Zimmer sind mit einer kleinen Küche ausgestattet und bieten gehobenen Komfort in stilvollem Ambiente. Von hier aus lassen sich in kurzer Zeit diverse interessante Gewässer der Region erkunden.
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