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![[Kärnten:] Bestens versorgt an der Möll](/assets/cache/1920/1080/media/Artikel/2026/08/kaernten/DJI_0003-RGB.jpg)
| 28 | 08 | 2026 | Reisen | |
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Das «Petri-Heil» besucht mit Redaktor Ruben Rod und zwei Fischerfreunden das Mölltal in der Nationalpark-Region Hohe Tauern. Dass auch hier ein heisser Sommer herrscht, ist der kühlen Möll glücklicherweise kaum anzumerken. Auch die prächtigen Äschen fühlen sich hier noch sichtlich wohl.
Zum Glück habe ich dieses Jahr wieder mit dem Fliegenfischen begonnen. Als reiner Spinnfischer hätte ich der Einladung nach Kärnten an die Möll nicht folgen können – denn hier ist Fliegenfischerland. Verstärkung erhalte ich von meinen Fischerfreunden Sam und Dom, die beide mehr Erfahrung mit der Fliege haben als ich. Als wir unser verlängertes Wochenende antreten, ächzt Europa unter der nicht enden wollenden Hitzewelle. Bange fragen wir uns, wie es um die Bäche und Flüsse Kärntens steht. Vor Ort stellen wir fest: Besser als um die meisten Schweizer Fliessgewässer.
Für drei Nächte dürfen wir uns auf dem Landgut Moserhof zu Hause fühlen. Und das fällt uns nicht schwer. Vom ersten Moment an fühlen wir uns hier wohl und bestens versorgt. Unsere Gastgeber Gerhilde und Heinz Hartweger nehmen uns herzlich in Empfang. Als wir unser «Holzfällerhaus» beziehen, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kann man Bodenständigkeit und Luxus verbinden? Ja, man kann! Das gilt auch für die Küche, die wir hier geniessen.
Die Geschichte des Moserhofs reicht über 800 Jahre und 13 Generationen weit zurück. Bereits im Mittelalter versorgten die Bauern des Hofs die Burgherrschaft Falkenstein mit Lebensmitteln. Vor rund 75 Jahren entstand mit dem «Urlaub am Bauernhof» ein zweites Standbein. Nach einem verheerenden Grossbrand im Jahr 2004 wurde der Hof neu aufgebaut und 2005 um ein Bauerndorf mit historischen, zeitgemäss ausgestatteten Häusern ergänzt. Heute verbindet das Landgut einen Bio-Bauernhof mit Chalets, regionaler Küche, Naturerlebnissen und viel Komfort. Neben der Fischerei bietet die Umgebung vielfältige Jagdmöglichkeiten – vom Auerhahn bis zum Rothirsch. Auch ganze Familien inklusive Hund sind auf dem Moserhof willkommen und finden passende Angebote.
Wir sind versucht, einen halben Tag unserer drei Fischertage zu opfern, um die Vorzüge des Moserhofs besser auszukosten. Aber da haben wir die Rechnung ohne unseren Guide Markus Kaaser gemacht. «Zeit ist Fisch!», gibt er uns bereits am Vorabend beim gemeinsamen Abendessen und der Programmbesprechung den Takt vor. Seit über 20 Jahren ist Markus einer der wenigen Vollzeit-Fischerguides Kärntens. Der Moserhof arbeitet mit ihm zusammen, um seinen fischenden Gästen den bestmöglichen Zugang zur Fischerei zu bieten. Dazu gehört auch das Organisieren der Lizenzen für die verschiedenen Abschnitte der Möll.
Wir starten um 6.30 Uhr direkt beim Landgut Moserhof. Denn hier befindet sich einer der schönsten und interessantesten Abschnitte der Möll. Die gängigen Edelfische und sogar einige Huchen sind hier zu Hause. Schon bald freuen wir uns über die ersten Möll-Fische: Bachforellen, Regenbogenforellen und eine Äsche. Alle sind deutlich als Wildfische zu erkennen, und uns wird rasch klar: An der Möll gefällt es den Salmoniden und die natürliche Fortpflanzung funktioniert. Dazu tragen auch die schonende Fischerei und die sehr restriktive Entnahme bei.
Nach einem reichhaltigen Frühstück besuchen wir einen Abschnitt weiter flussaufwärts. Hier tut sich deutlich weniger als am frühen Morgen. Abgesehen von einer kampfstarken 40er-Regenbogenforelle an Rubens Rute gibt es keinen einzigen Biss. Dominik entdeckt am Ufer Otterspuren, worauf Markus meint: «Der Abschnitt is beottert. Do wolln die Fische nimma.» Wir brechen auf und ziehen weiter.
Markus stellt uns in Flattach Hans-Peter Schaar vor. Er betreibt dort eine Fischerbar und ist der Fänger einer legendären 106er-Bachforelle aus der Möll. Wir können den Fisch als Präparat und auf dem Fangfoto bewundern. Flankiert wird er von weiteren kapitalen Fischen, darunter Äschen deutlich über 50 Zentimeter. Unter dem Markennamen «Red Trout» hat Hans-Peter auch ein eigenes Fischerbier kreiert. Ein Sixpack davon geniessen wir später am Wasser in seinem Revier. Und hier ist der Otter offensichtlich noch nicht durch: Jeder von uns kann sich über kampfstarke und sprungfreudige Äschen freuen – einige davon auch auf die Trockenfliege.
Markus Kaaser betreut uns am Wasser eng und schöpft aus dem Vollen. Das gilt für seine unzähligen Fischergeschichten ebenso wie für seine nahezu unerschöpflichen Fliegenboxen. Die grossen Boxen in seinem Auto umfassen rund 20?000 Nymphen und Fliegen, die er nicht nur fischt, sondern auch verkauft. Die hochwertigen Muster bindet er nicht selbst – dafür ist er viel zu gerne und oft am Wasser. Seinen Kundinnen und Kunden verkauft er regelmässig Fliegen und Ausrüstung, die er individuell zusammenstellt und auf den Menschen sowie die Zielfische abstimmt.
Unsere eigenen Ruten und Fliegen halten seiner kritischen Prüfung nur teilweise stand. Was nicht passt oder nicht von ausreichender Qualität ist, wird ausgewechselt.
Ob Anfänger oder fortgeschrittener Fliegenfischer – von Markus Kaaser kann jeder noch etwas lernen – und das nicht zu knapp. Wir drei kommen in den Genuss eines Intensivkurses am Wasser. Markus kennt die Möll wie seine Wohnstube, weiss, wo welche Fische stehen, und gibt permanent Rückmeldungen. Fliesst das Wasser schnell, klingen seine Anweisungen wie Anfeuerungsrufe: «Menden, menden, füttern, FÜTTERN!!» Markus fiebert bei jedem Wurf mit und brennt darauf, einen Fisch zu feumern. Gelegentlich nimmt er selbst die Rute in die Hand und zeigt uns, was er meint. Das sieht dann so beiläufig und einfach aus, dass wir uns bei unseren Versuchen, seinem Beispiel zu folgen, wie Bewegungslegastheniker vorkommen. Aber an der Möll fangen wir trotzdem unsere Fische.
«De Viecherl solln net leidn.» Damit fasst Melitta Fitzer vom Gut Aichenegg zusammen, was ihr am Herzen liegt. Wir besuchen ihr Revier im oberen Mölltal an unserem zweiten Fischertag und treffen die herzliche Gutsherrin in einem Café, um unsere Erlaubnisscheine abzuholen. Auf ihren Flusskilometern fischen maximal sechs Personen pro Tag. Jeden Fischer möchte Melitta persönlich kennenlernen und wissen, wer gerade in ihrem Abschnitt unterwegs ist. Dasselbe gilt für die Jäger, die das Revier Aichenegg Alpe im Herbst besuchen. Melitta und ihr Partner Bernhard verwalten das Gut seit 2011 und machen seine Ländereien für Naturbegeisterte und Ruhesuchende zugänglich. Dazu gehören die Fliegenfischerei an der Möll, das abgeschiedene Jagdrevier Aichenegg Alpe sowie einfache Almhütten auf rund 2000 Metern über Meer.
Wir landen hier ausserordentlich schöne Äschen und wildlebende Regenbogenforellen. Seit 2013 wird nicht mehr besetzt – und die Fische scheinen den Besatz nicht zu vermissen.
Die drei intensiven Fischertage fühlen sich an wie eine ganze Woche. Dennoch ist die Zeit zu kurz, um alle Möglichkeiten des Mölltals kennenzulernen. Da wären zudem viele schöne Flusskilometer – und schliesslich der Huchen, der sich auch hier sowie im nahe gelegenen Hauptfluss Drau und weiteren Seitengewässern herumtreibt. «Am 29. Jänner … hot der mi umschwimmen wolln!» So ungefähr klingt es, wenn Markus Anekdoten über seinen Lieblingsfisch erzählt. Die Dimensionen eines solchen Salmoniden können wir Schweizer kaum fassen. Huchensaison ist von Oktober bis Ende Januar. Im Sommer raubt der heimliche Riese vorwiegend nachts, wenn nicht gefischt werden darf. Die Herbstmonate gelten auch an der Möll als Äschen-Hochsaison. Noch mehr und noch grössere Äschen als jene, die wir nun schon bewundern konnten? Auch das können wir uns nur schwer vorstellen.

Das Mölltal bildet gemeinsam mit dem Outdoorpark Oberdrautal die Kärntner Nationalpark-Region Hohe Tauern. Die Fischereireviere im Mölltal sind für Aussenstehende eher unübersichtlich und im Gelände nicht gut zu erkennen. Unter der Obhut eines Gastgebers gelangt man direkt zu den passenden Gewässerabschnitten und erhält unkompliziert die erforderlichen Lizenzen.
Die Fischereisaison auf Forellen und Äschen dauert vom 1. Mai bis Mitte November. Die Schonzeit des Huchens hingegen beginnt erst am 1. Februar und dauert bis zum 31. Mai.
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