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| 13 | 04 | 2026 | Praxis | |
| 13 | 04 | 2026 | Praxis |
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Im kalten Wasser halten sich die Fische oft am Grund auf. Das lässt zunächst unweigerlich an Euro-Nymphing denken. Doch es gibt auch Techniken, die ein tiefes Fischen mit der Wurfschnur ermöglichen. Eine davon ist das 90°-Rig in Kombination mit der Schlaufentechnik.
Das 90°-Rig – und die damit verbundene Schlaufentechnik – ist keineswegs nur eine Lösung für kaltes Wasser. Richtig eingesetzt, spielt diese Methode die Stärken des Fliegenfischens mit der Wurfschnur voll aus. Sie ermöglicht es, grössere Gewässerabschnitte systematisch und kontrolliert abzusuchen. Für mich persönlich hat die Schlaufentechnik das eigene Repertoire deutlich erweitert. Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Yanick Hort, der mir diese Technik nähergebracht und verständlich erklärt hat.
Das 90°-Rig hat seinen Namen von dem 90°-Winkel, welche die Montage macht. Im Gegensatz zu klassischen Bissanzeiger-Montagen, wo der Bissanzeiger direkt auf die Schnur gesetzt wird, und diese dann gerade durch weiterläuft, macht hier das Vorfach einen 90°-Knick. Dies hilft, dass die Nymphe noch besser absinkt. Das Vorfach ist ebenfalls anders. Statt eines, das sich verjüngt, wird beim 90°-Rig eine 10 cm bis 50 cm lange Butt Section verwendet, also der hintere Teil des Vorfachs mit etwa 0,3 mm bis 0,35 mm Durchmesser. Auf die kurze Butt Section wird ein Bissanzeiger, meist ein gut schwimmender wie ein Thingamabobber, montiert. Ich verwende hier gerne die Air-Lock-Bissanzeiger mit Schraubverschluss. An die Butt Section wird ein Vorfachring oder ein Karabinerwirbel geknotet. Auch dies hilft, dass die Montage möglichst gut absinkt. Der Rest des Vorfachs besteht aus dem Tippet, das je nach Gewässertiefe 50 cm oder auch 2,5 m lang sein kann. Das Vorfach ist nicht verjüngt und besteht aus 0,14 mm bis 0,2 mm dickem Mono, je nach erwarteter Fischgrösse. Ich fische gerne ein etwas dickeres Vorfach (0,18 mm), da es die Montage weniger tangle-anfällig macht. Beim 90°-Rig bietet es sich an, mit mehreren Nymphen zu fischen. Bei tieferem Wasser fische ich gerne schwerere Nymphen, auch wenn dies bei korrekter Anwendung der Technik nicht zwingend nötig ist.
Das etwas ungewöhnliche Vorfach lässt sich mit Rückwürfen kaum gescheit aufs Wasser befördern. Beim 90°-Rig wird daher vor allem mit Rollwürfen gefischt. Mit den Standardrollwürfen kommt man gut klar, wer sich aber mit verschiedenen Rollwurftechniken auseinandersetzt und diese beherrscht, ist klar im Vorteil.
Eine mittelschnelle Rute hilft, die Rollwürfe besser zu kontrollieren, und macht das Werfen entspannter. Die Rutenklasse sollte nicht zu niedrig sein, denn mit dem grossen Bissanzeiger und den schweren Nymphen hat die Montage ein gewisses Gewicht. Zudem kann man das 90°-Rig auch gut auf etwas Distanz fischen; eine höhere Rutenklasse hilft hier, etwas weiter zu werfen. Meine Wahl: eine Rute der Klasse 5 oder 6. Ich setze auf Wurfschnüre mit kurzem Head, spezielle Indicator-Nymphing-Wurfschnüre. Ein Beispiel dafür ist die Rio Elite Xtreme Indicator. Eine unglaublich fortschrittliche Nymphenschnur. Der kurze Back Taper und die lange Running Line ermöglichen zudem eine gute Kontrolle beim Menden und bei der Schnurkontrolle auf dem Wasser.
Das 90°-Rig fische ich normalerweise flussab mit der Schlaufentechnik oder auch der Feed-and-Pull-Technik (FP-Technik). Diese ist im vergriffenen Buch von Günter Feuerstein («Erfolgreich Nymphenfischen», 2010) ausführlich erklärt. Wer sich dafür interessiert, findet manchmal noch gebrauchte Exemplare. Die Grundlagen sind gut vermittelbar. Es geht darum, die Flugschnur in einer Schlaufe auf das Wasser zu legen. Die Schlaufe treibt dann flussab. Kommt es zu einem Biss, haut man normal an. Durch die Schlaufe erfolgt der Anhieb in Fliessrichtung, und die Fliege wird dem Fisch nicht aus dem Maul gerissen. Hier spielt man die Stärke des Fliegenfischens voll aus. Fischt man beispielsweise konventionell mit Zapfen flussab, wird der Köder beim Anhieb oft dem Fisch aus dem Maul gezogen, und man verliert eher einen Fisch.
Die Schlaufe hat aber auch noch weitere Vorteile. Sie dient als Ausgleich bei kleinen Strömungsunterschieden. Kommt es zu einem Hänger, kann man der Wurfschnur – wie beim Flussaufwärtsfischen – einen Impuls geben. Durch die Schlaufe wird dieser Impuls wieder umgelenkt und man kann kleine Hänger unproblematisch lösen und weiterfischen. Zudem kann man so auch etwas Distanz überbrücken. Auch bei einem etwas breiteren Bach kann ich so bequem das gegenüberliegende Ufer befischen. Damit die Fliege nach dem Wurf schnell auf Tiefe kommt, kann man verschiedene Techniken zur Hilfe nehmen. Ein Tuck Cast hilft, dass die Nymphe direkter ins Wasser taucht und schneller auf Tiefe kommt. Nach dem Wurf kann man direkt einen Dropmend (oder auch Rollmend) machen. Durch den Dropmend wird der Bissanzeiger ein Stück flussauf gelegt, die Montage selbst kommt nur wenig aus dem Wasser. Der Dropmend hilft, dass die Montage stärker absinkt (dropt) und stärker in Richtung des 90°-Winkels geht. Zudem verlängert man mit dem Dropmend die Drift etwas. Sehr weit flussauf muss man nicht werfen, im Zweifel kann man sogar im rechten Winkel zur Strömung werfen. Danach folgt der Dropmend. Dann beginnt man, die Schlaufe auf dem Wasser zu formen; hier können je nach Entfernung einige zusätzliche Mends nötig sein. Einfach ist es, wenn man die Schlaufe direkt vor seine Füssen legt; etwas schwieriger wird es, wenn man das gegenüberliegende Ufer befischt. Liegt die Schlaufe richtig, kann man bei einigermassen gleichförmiger Strömung mehrere Meter flussab fischen beziehungsweise so weit, wie es Flugschnur und Backing hergeben und man den Bissanzeiger sieht.
Damit die Schlaufe beim Abwärtsdrift nicht verzieht, ist es wichtig, dass man schnell genug Schnur nachfüttert. Die Fliegenrute zeigt stromab; die Flugschnur muss einigermassen zügig von der Rolle abgezogen werden. Damit die Schnur besser aufs Wasser kommt, kann man etwas mit der Rutenspitze wackeln; die Rutenspitze ist nahe an der Wasseroberfläche. Das erfordert etwas Übung, funktioniert danach aber umso besser. Eingeholt wird natürlich beim Biss und auch dann, wenn der Bissanzeiger nicht mehr gut erkennbar ist. An Gewässern mit gleichförmiger Strömung habe ich aber durchaus auch schon die ganze Flugschnur bis zum Backing von der Rolle gelassen.
90°-Rig und Schlaufentechnik sind sehr vielseitig einsetzbar. Ich fische die Technik gerne an gleichförmigen Gewässern, z. B. an Kanälen, wo man die Wasserfläche grossräumig nach Fischen absucht. Hier kann man grosse Flächen effizient befischen. Auch im Winter, wenn die Fische tief stehen, bietet sich die Technik an, da man mit ihr auch grosse Tiefen gut befischen kann.
An Bacheinläufen in Seen hilft die Technik ebenfalls, Fische zu fangen. Hier kann man an der Einmündung stehen und die Nymphen bequem auf den See heraustreiben lassen – dorthin, wo die Fische auf Nahrung warten. Die Schlaufentechnik bietet sich aber auch an Stellen an, die mit Pflanzen überhangen sind. Mit einem klassischen Wurf hat man hier kaum Chancen, die Fliege richtig zu platzieren. Mit der Schlaufentechnik sucht man sich eine freie Stelle oberhalb und lässt dann die Montage unter den überhängenden Pflanzen treiben. Natürlich lässt sich die Schlaufentechnik auch mit Trockenfliegen fischen, wobei die vorbeitreibende Flugschnur eine gewisse Scheuchwirkung haben kann. All diese Techniken – 90°-Rig, Dropmend und Schlaufe – lassen sich in verschiedenen Szenarien anwenden und kombinieren. Sie helfen, das Puzzle Fliegenfischen ein Stück weiter zu bauen. Ich wünsche viel Erfolg beim Ausprobieren.
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