Mit dem Twitchrig auf Egli
03 | 07 | 2024 Praxis | VideoText & Fotos: Ivan Valetny 01558
03 | 07 | 2024 Praxis | Video
Text & Fotos: Ivan Valetny 0 1558

Mit dem Twitchrig auf Egli

Einen Gummifisch im Freiwasser anbieten wie einen Wobbler? Darüber hat sich Ivan Valetny Gedanken gemacht und ist auf das «Twitchrig» gekommen.


Wenn man eher unmotivierte Fehlbisse auf Hardbaits hat, greifen die Egli oft lieber nach einem weichen Gummifisch. Dieser hat keine Drillinge, was natürlicher aussieht, und hakt weniger Egli quer. Mit dem Twitchrig habe ich nun eine einfache Technik gefunden, um aktive Egli im Freiwasser an den zu Haken bringen. Hier erfährst Du, was Du für die erfolgreiche Fischerei mit diesem Rig wissen musst.



Das Gerät

Als Bulletgewicht verwende ich für das Twitchrig fünf, sieben oder zehn Gramm Blei, zusammen mit einer Glasperle. Harte Gewichte wie Tungsten oder Messing zerstören bei getwitchter Führung schnell die Glasperlen. Wenn man zum Twitchen harte Gewichte verwenden möchte, empfehle ich Messingperlen. Diese können nicht zerbrechen und machen auch ein attraktives Geräusch. Meistens setze ich fünf Gramm ein, um möglichst flexibel fischen zu können. Als Rute nehme ich eine leichte Spinnrute mit schneller Aktion mit einer nicht zu weichen Spitze. Bei mir ist das eine Graphiteleader Corto UX bis 10 g. Mit einem solchen Gerät spüre ich noch den leisesten Anfasser deutlich und das leichte Rutengewicht belastet den Arm beim Twitchen weniger. Ab zehn Gramm und mehr setze ich Ruten mit einem Wurfgewicht von bis zu 20 oder gar 28 Gramm ein. Weil mit höheren Gewichten eher tiefer gefischt wird und dann der Führungswiderstand stark ansteigt, braucht man hier mehr Rückgrat und eine feste Rutenspitze.

Die Montage

Das Bulletgewicht läuft auf einem 23er-Fluorocarbon von 50 cm Länge, oben mit einem Knotenlosverbinder mit der geflochtenen Hauptschnur verbunden, und unten mit einer Perle und einem Wirbel abgeschlossen. An den Wirbel binde ich ein etwa 40 Zentimeter langes 20er-Fluorocarbonvorfach. Daran befestige ich einen langschenkligen Haken mit Widerhaken auf dem Schenkel. Auf diesen Haken ziehe ich den Gummi­köder. Mit einem Offsethaken hat man bei dieser Methode viel mehr Fehlbisse als mit einem freiliegenden Haken. Aber auch dann noch hat man bei dieser Köderführung viele Fehlbisse, wenn die Egli den Haken nicht ganz inhalieren oder knapp danebenschiessen. Die Vorfachlänge kann man auch auf 60 cm bis 80 cm verlängern. So wird die Führung etwas dezenter und sie können den Köder besser fassen. Doch die Kombi von 50 cm oben und 40 cm unten hat sich für mich am besten bewährt; sie lässt sich gut auswerfen und verheddert sich am wenigsten.

 Wenn sie in Raublaune sind, verlieren auch grössere Egli bei einem getwitchten Gummi ihre Beisshemmungen.

Wenn sie in Raublaune sind, verlieren auch grössere Egli bei einem getwitchten Gummi ihre Beisshemmungen.


Der Gummi

Am Twitchrig verwende ich am liebsten Pintail-Gummifische von fünf oder sieben Zentimeter Länge. Die Pintails laufen unvorhersehbar, fast wie ein echtes flüchtendes Fischchen. Jedoch muss man diese Gummis möglichst schön gerade und mittig auf den Haken aufziehen, was eine Herausforderung sein kann. Wichtig ist, dass sie sich beim Twitchen nicht zu sehr um die eigene Achse drehen. Wenn der Pintail immer mal wieder die Richtung wechselt, ist es ideal. Nach einem Fehlbiss sollte man immer den Gummifisch kontrollieren.

Auch Schaufelschwänze funktionieren an dieser Montage, sie laufen oft zuverlässiger und ruhiger. An manchen Tagen überzeugen die Druckwellen vom Schaufelschwanz mehr als der unvorhersehbare Lauf des Pintails. Probieren geht dann über studieren.

Hellgrün ist oft eine Top-Farbe. Aber auch andere Farben fangen, hier ist ebenso ausprobieren angesagt. Die Farbe kann von Gewässer zu Gewässer, je nach Jahreszeit und manchmal von Tag zu Tag wegen Wetterumschwüngen wechseln. Hellblau und Giftgrün sind erfahrungsgemäss spezielle, aber oft besonders fängige Farben am Twitchrig.


Passende Stellen

Interessante Bereiche sind dort, wo regelmässig Egli am Jagen sind. An Flüssen sind verkrautete Uferstellen mit überhängenden Bäumen, wo man nur im Mittelwasser und in Oberflächennähe fischen kann, besonders spannend. Oder flache Bereiche nahe einer Kante, wo die Egli in der Dämmerung die Kleinfische aus dem tieferen Wasser hinauftreiben und danach einen nach dem anderen verschlingen. Wenn man hier den Köder hinter der Kante versenkt und dann hektisch hochtwitcht, folgt oft ein ganzer Trupp Egli dem Gummi. Im Spätherbst, wenn die Egli nur bis ins Mittelwasser jagen, sind auch tiefere Bereiche in Kantennähe interessant. Dann gilt es, das Twitchrig mit mehr Gewicht auf den Grund sinkenzulassen und eher langsam hinaufzutwitchen. An einem warmen Sommerabend über einem belebten Krautfeld, wo immer wieder was an der Oberfläche los ist, lohnen sich einige Würfe auf jeden Fall.

Doch es gibt auch scheinbar zufällige Zonen irgendwo auf der Wasseroberfläche, wo die Egli plötzlich aus heiterem Himmel Kleinfische attackieren. Dann kannst Du einfach ins Gemenge werfen und sofort an der Oberfläche loslegen. Oft gibt es dann gleich einen schönen Biss. Das Twitchrig eignet sich bestens, um oberflächennah oder irgendwo im Mittel­wasser raubende Egli abzuräumen.

 Am richtigen Ort während einer sommerlichen Dämmerung sind Egli-Sternstunden eher die Regel als eine Ausnahme.

Am richtigen Ort während einer sommerlichen Dämmerung sind Egli-Sternstunden eher die Regel als eine Ausnahme.


Köderführung

Oft werfe ich das Twitchrig aus, lasse es absinken und fische es dann twitchend hoch, wie wenn ein Brutfisch an die Oberfläche flüchten will. Dieses Hoch­fischen weckt auch bei faulen Egli den Jagdtrieb und macht aktive Exemplare rasend! Ich fische das Twitchrig recht variantenreich. Passiv geht es auch: Einleiern, mal schneller und mal langsamer, zwischendurch mit einer Absinkphase. Aber meistens mache ich feine Twitches und kurble dazu so langsam, dass ich immer wieder in die lockere Schnur schlagen kann. So läuft der Köder sehr aggressiv und ruckartig, mit ganz kurzen Pausen zwischen den Schlägen, in denen die Egli zuschnappen. Was auch funktionieren kann, ist ein flottes Einkurbeln mit unregelmässigen harten Twitches. Manchmal bringt diese Führung die Egli an den Gummi. Du musst Verschiedenes ausprobieren und vielleicht findest Du Deinen ganz eigenen Führungsstil, der an Deinem Gewässer am häufigsten zum Erfolg führt. Bisse auf das Twitchrig sind meist hart, und da man immer in Bewegung ist, muss man oft gar nicht gross anschlagen.


Suchen und finden

Diese Montage eignet sich besonders gut, um aktiv nach den Egli zu suchen. Optimal Uferkanten anwerfen kann man am See oder Fluss vom treibenden Boot aus. Hat man einen Spot gefunden, geht es auch vom verankerten Boot aus. Wenn die Egli nicht besonders in Raublaune sind, merken sie nach einigen Würfen den Schwindel und werden vorsichtiger, vor allem tagsüber. Ein regelmässiger Stellenwechsel lohnt sich daher. Doch in der Dämmerungs-Primetime kann man gut an Ort und Stelle bleiben und immer wieder einen bissigen Egli überlisten.


Den Versuch definitiv wert

Bei Grundkontakt muss man in hängerträchtigen Gebieten aufpassen wegen des offenliegenden Hakens. Aber ansonsten hat man mit dem Twitchrig kaum Hänger, ausser bei krautigen Bedingungen. Krautfelder, die nicht völlig zugewuchert sind und noch offene Stellen bieten, sind ideal.

Das Twitchrig fängt ebenfalls tagsüber, wenn auch bei passiven Egli eine gewisse «Restgier» da ist. Man kann sie mit der richtigen Führung immer wieder zum Biss triggern. Sogar dann noch, wenn andere Methoden nichts erreichen. Versuche es mal an Deinem Gewässer und überzeuge Dich selbst von dieser simplen, aber effektiven Montage für unsere oft wählerischen Egli.

 

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