Feumer: [Der unterschätzte Begleiter am Wasser]
03 | 04 | 2026 PraxisText & Fotos: Morgan Calu 0164
03 | 04 | 2026 Praxis
Text & Fotos: Morgan Calu 0 164

Feumer: Der unterschätzte Begleiter am Wasser

Der Feumer entscheidet oft, ob ein Drill erfolgreich endet. Richtig gewählt und eingesetzt, verkürzt er den Kampf, reduziert Verletzungen und ist ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Fischerei. Der französische Wettkampf-Fischer Morgan Calu teilt mit uns die Erfahrungen eines Profis.


Der Feumer ist ein wichtiges Werkzeug beim Fischen. Er hilft uns nicht nur, einen Fang sicher zu landen, sondern auch, ihn unter optimalen Bedingungen zu handhaben – um ihn allenfalls schonend wieder zurücksetzen zu können. Obwohl das Mitführen eines Feumers im Lernmittel «Schweizer Sportfischer Brevet» zur Erlangung des SaNa-Ausweises für obligatorisch erklärt wird, ist sein Einsatz für viele Petrijünger noch nicht selbstverständlich. Dabei gibt es für so gut wie jede Angeltechnik passende Modelle. Nach mehreren Jahren Wettkampf­erfahrung bin ich sogar der Überzeugung, dass die Wahl des Feumers fast so wichtig ist wie die Wahl der Rute!

Genau wie bei den Ruten gibt es auch bei Feumern nicht wirklich den Alleskönner. Mit einem einzigen Modell Forellen, Felchen und Hechte zu landen, ist nicht ideal. Hersteller bieten heute eine breite Palette von Modellen in unterschiedlichen Preisklassen an. Es lohnt sich, je nach Angelart verschiedene passende Feumer anzuschaffen.

 Ist der Fisch sicher im Feumer, kann man ihn entspannt und schonend abhaken und an­schlies­send zurücksetzen oder versorgen.

Ist der Fisch sicher im Feumer, kann man ihn entspannt und schonend abhaken und an­schlies­send zurücksetzen oder versorgen.


Mehr als nur ein Fanghelfer

Für mich ist er unverzichtbar, besonders dann, wenn Fische zurückgesetzt werden. Der Feumer – in Deutschland Kescher genannt – besteht aus einem Kopf mit Netz und einem Stiel zur Handhabung. Entgegen der verbreiteten Meinung ist er nicht nur für grosse Fische gedacht. Gerade bei Forellen oder Felchen erleichtert er die Landung erheblich. Und trotzdem verzichten viele darauf: «Im Notfall lande ich den Fisch von Hand», «Ich greife ihn am Maul» oder «Irgendwie geht es dann schon». Das mag mit Geschick und etwas Glück manchmal gelingen, aber es geht ja nicht nur darum, dass man am Ende den Fisch hat. Denn dank des Feumers verkürzt sich der Drill. Das bedeutet weniger Stress für den Fisch und eine geringere Aussteigerquote. Eine schonende Landung schützt zudem sowohl Fisch als auch Fischer, besonders beim Umgang mit Hechten oder grossen Salmoniden. Das Feumern verhindert dann Verletzungen durch Bodenkontakt oder freistehenden Haken. Im Netz gesichert, lassen sich die Fische in Ruhe schonend abhaken, messen und anschliessend wieder ins Wasser entlassen oder versorgen.

 Grundsätzlich wird kopfvoran gefeumert. Und zwar, indem man den Fisch zum Netz führt und nicht umgekehrt.

Grundsätzlich wird kopfvoran gefeumert. Und zwar, indem man den Fisch zum Netz führt und nicht umgekehrt.


Richtige Handhabung

Einen Feumer zu besitzen ist gut – aber ihn korrekt einzusetzen gehört dazu.

Nimm den Feumer nicht zu früh zur Hand, um Dich nicht vom Drill abzulenken. Erst wenn der Fisch ermüdet ist, greife ich zum Netz. Ich tauche den Feumer dann nur zu einem Drittel oder maximal zur Hälfte ein. Ist der Feumer zu tief im Wasser, entsteht Widerstand, und Du verlierst die Beweglichkeit, um ihn je nach Situation rasch zu manövrieren. Führe den Fisch via Rute mit dem Kopf voran ins Netz: Den Fisch zum Feumer bringen – nicht umgekehrt! Nur auf den letzten Zentimetern kannst Du das Netz noch vollends unter und um den Fisch schieben.

Bei starker Strömung positionierst Du den Feumer stromabwärts und hältst den Fisch kopfvoran gegen die Strömung. Dann lässt Du ihn behutsam mit der Strömung ins Netz gleiten und hebst den Feumer rasch aus dem Wasser, sobald Dein Fang drin ist.

Beim Streetfishing wird teilweise der «Drop» angewendet: Der Fisch wird mit der Rute kurz angehoben und direkt ins Netz gelupft. Diese Technik eignet sich für eher kleinere Fische, insbesondere Egli. Sie verkürzt den Drill, erfordert jedoch gute Koordination und etwas Fingerspitzengefühl, um ein Ausschlitzen im letzten Moment zu verhindern.

 Wenn das Wasser fliesst, hält man den Fisch kopfvoran gegen die Strömung und lässt ihn in den Feumer treiben.

Wenn das Wasser fliesst, hält man den Fisch kopfvoran gegen die Strömung und lässt ihn in den Feumer treiben.


Netz ist nicht gleich Netz

Das Netz der Feumer unterscheidet sich in Material, Maschengrösse, Form und Tiefe.

  • Gumminetze sind fischschonend, Haken bleiben kaum hängen und sie trocknen schnell. Sie sind jedoch vergleichsweise schwer und weniger langlebig.

  • Gummibeschichtete Netze verbinden Flexibilität mit Schonung und sind ein guter Kompromiss für Spinnfischer. Nachteil: In den eingenähten Bändern können sich Haken verfangen, ebenso wenn die Hakenspitzen die Gummierung durchstossen und sich im darunterliegenden Geflecht verhaken.

  • Nylonnetze sind leicht und bieten wenig Widerstand im Wasser. Allerdings sind sie für Fischhaut abrasiv und verwickeln sich stark in den Haken.

  • Baumwollnetze werden oft bei Holzfeumern für Forellen eingesetzt, sind weich und schonend bei gleichzeitig eher geringem Wasserwiderstand.

  • Polyethylen-Netze mit feinen Maschen sind im Raubfischbereich kaum noch zu empfehlen.
    Die Haken verfangen sich leicht und sind mühsam daraus zu lösen. Zudem trocknen solche Netze nur langsam.

 Gummierte Netze schonen die Fischhaut und darin verhedderte Haken lassen sich leichter lösen.

Gummierte Netze schonen die Fischhaut und darin verhedderte Haken lassen sich leichter lösen.


Breite, Tiefe und Maschen

Je grösser der Zielfisch, desto breiter und tiefer sollte das Netz sein. Hecht, Zander oder Wels benötigen ausreichend Tiefe, um sicher gehalten zu werden. Für kleinere Raubfische wie Egli genügt ein flacheres Netz. Zu tiefe Feumer erschweren die Handhabung und erhöhen das Risiko von Verwicklungen. Runde oder sechseckige Maschen verformen sich weniger als quadratische und neigen weniger dazu, dass kleinere Fische durchschlüpfen oder mit dem Kopf steckenbleiben.

 Bei grossen Fischen ist die Tiefe des Feumers entscheidend. Ist die Landung geglückt, umschliesst das Netz den Fang dann wie eine Tasche.

Bei grossen Fischen ist die Tiefe des Feumers entscheidend. Ist die Landung geglückt, umschliesst das Netz den Fang dann wie eine Tasche.


Der Kopf

Ein grosser Kopf erleichtert das Landen eines langen Fischs, erhöht jedoch das Gewicht und den Wasserwiderstand des Feumers. Auch muss die Handlichkeit während des Fischens bedacht werden. Ich wähle meist einen Durchmesser, der ungefähr der erwarteten Fischlänge entspricht. Auf Hecht oder Wels reichen mir 80 bis 100 cm, da sich diese Fische im Netz krümmen können. Entscheidend ist dann die Netztiefe.

Runde Köpfe sind besonders vielseitig und funktionieren auch gut bei Strömungen. Dreieckige oder quadratische Köpfe sind dafür in Seen effektiver beim frontalen Landen.

 Fischt man von einer Mauer aus oder wenn das Ufer aus anderen Gründen schlecht erreichbar ist, braucht es einen Feumer mit langem Stiel.

Fischt man von einer Mauer aus oder wenn das Ufer aus anderen Gründen schlecht erreichbar ist, braucht es einen Feumer mit langem Stiel.


Der Stiel

Auch der Stiel muss zur Angeltechnik passen.

  • Sehr kurze Stiele (10 – 20 cm) sind am handlichsten beim Waten oder beim Fischen an kleinen Forellenbächen.

  • Kurze Stiele (20 – 50 cm) sind am vielseitigsten einsetzbar – ideal für das Streetfishing oder Flussfischen bei gut erreichbaren Ufern, vom Kajak oder Boot aus.

  • Mittlere bis sehr lange Stiele (50–200 cm und mehr) eignen sich bei steilen und schlecht erreichbaren Ufern oder von oben herab (Mauern, Stege). Sie bieten Reichweite, sind jedoch weniger handlich und erzeugen einen grösseren Hebel.

  • Teleskopstiele sparen Platz, müssen jedoch stabil arretiert werden können. Aluminium ist leicht und robust, Stahl sehr stabil, aber schwerer. Carbon- oder Verbundmaterialien sind extrem leicht, aber teurer und empfindlicher.

Wie Du siehst, ist der Feumer weit mehr als nur ein einfaches Zubehör. Er muss passend zur Fischart, zur Technik und zur Angelsituation gewählt werden. Richtig eingesetzt, ist er ein zentrales Element einer verantwortungsvollen und effizienten Fischerei – eine Kunst für sich.

 

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